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Worte finden für das Unvorstellbare

08. April 2024

Man kennt sie aus den Geschichtsbüchern und aus den Medien: Bilder des Konzentrationslagers Auschwitz. Doch Geschichte und die Gräueltaten des NS-Regimes so hautnah erfahren zu dürfen, bedeutet für die Teilnehmer:innen der Gedenkstättenfahrt nach Polen eine tief berührende Erfahrung. Im Rahmen der Fahrt hatten die Teilnehmer:innen die Möglichkeit, das Gesehene in Texten oder Bildern zu verarbeiten. Die Schülerin Yagmur aus der Q2 schrieb dazu folgende Zeilen:

Ich wollte doch nur ein Kind sein

Abschnitt 1:
Ich wollte doch nur ein Kind sein,
sagte Aaron, voller seelischer Pein.
Ich wollte ein Kind sein,
wollte toben, wollte weinen, wollte schreien.
Ich wollte ein Kind sein,
wollte spielen beim Sonnen- und Mondschein,
doch nun merke ich, diese Vorstellung ist nur ein trügerischer Schein.

 

Ich wollte ein Kind sein,
war jung, war zierlich und klein.
Ich wollte ein Kind sein,
wollte lesen aus einem Märchen-Büchlein.
Ich wollte ein Kind sein
wollte klettern von einem zum anderen Bäumlein,
doch eines Tages verhinderte all dies ein einziger Trennstein.

 

Kind sein, das Kind einer wundervollen Mama.
Sie findet mich schön, im Anzug und dem gestreiften Pyjama.
Sie brachte mich zur Welt in einer einsamen Kammer.
Die Last auf ihren Schultern ist doch unmöglich tragbar.

 

Kind sein, das Kind von einem ganz tollen Vater.
Ein Geschwisterchen hatte ich nie, doch er schenkte mir einen Kater.
Er wirkte groß, wirkte stark, wirkte manchmal wie ein harter,
doch prägend war in Wirklichkeit sein unfassbar toller Charakter.

 

Ich wollte ein Kind sein, dessen Eltern sich Zeit für ihn nehmen,
doch nun schaffte es die Zeit, mir meine Eltern zu nehmen.
Einst legte ich mich in den Schlaf, mit dem elterlichen Kuss,
wer hätte nur gedacht, dass ich meine Familie verlieren muss?

 

Ich bin ein Kind, das Kind von zwei jüdischen Eltern.
Sie trugen Zyklon-B-Behälter, die ihr Leben verändern.
Ich bin ein Kind, oder möchte vielleicht auch einfach nur Kind sein,
doch wie sieht eine Kindheit aus, ohne Eltern, ohne Heim?

 

Liebe Mama, lieber Papa, seid ihr nun vom Schmerz befreit?
Man sagt die Zeit heilt alle Wunden, doch die Wunden bin ich leid.
Ich bin kein Kind, nicht gestern, nicht heute und nicht später.
Ich bin das Opfer von vielen handelnden und tatenlosen Tätern.

 

Abschnitt 2:
Auch ich, Benno, wollte Kind sein auch wie jeder,
doch ich sollte hart werden wie Kruppstahl und Zäh wie Leder.
Ich wollte ein Kind sein,
wollte toben, wollte spielen im Garten,
wer hätte gedacht, dass auch ich bald gehöre zu den Harten?
Ich wollte ein Kind sein,
wollte spielend die Natur erkunden,
doch das Lager war der falsche Platz, in dem wir uns befanden.
Ich wollte ein Kind sein
und nicht flink werden wie Windhunde.
War ich wirklich als Kind böse, oder an böse Gesetze verbunden?

 

Ein Kind sein, das Kind eines großen Soldaten…
Schon früh gelang es ihm, mir von der Freundschaft zu Aaron abzuraten.
Auch er verbrannte meine Menschlichkeit, als wäre sie das Buch von Literaten.
Ich wollte ein Kind sein,
wie konnte ich nur dermaßen missraten?

 

Mein Vater beauftragte Aarons Eltern, irgendwelche Behälter zu tragen.
Als Kind hatte ich zu große Angst, um nach diesen zu fragen.
Rückblickend weiß ich heute, dass beide daran starben
und nicht länger im Bett, sondern auf einem Berg voller Leichen lagen.

 

Mama liebte mich, doch Papa sollte mich lieben.
So zog ich

von den einen zu den anderen Kriegen.
Ich wollte ein Kind sein,
wollte lachen, wollte lächeln und wollte fliegen.
All das habe ich auch getan, denn ich durfte als Pilot ein Kampfflugzeug bedienen.

War ich ein Kind, ein Opfer oder vielleicht doch ein Täter?
War ich das Opfer von Tätern, oder der Täter von Opfern?
Ich tat was ich tat, für die Anerkennung und die Volksgemeinschaft.
Nun schaue ich auf mein Leben zurück, wie ein Kinofilm auf einer Kinoleinwand.

Ich war ein Kind, doch sollte schnell erwachsen werden.
Ich nahm am Krieg teil und lebte auch schon bald in Kasernen.
Mit meiner Beteiligung trug ich dazu bei, dass viele Menschen sterben,
doch für den Tod dieser Menschen, konnte ich große Trophäen erwerben.

 

Abschnitt 3:
Fast 80 Jahre nach dem Ende des Krieges, lässt sich nur sagen:
Es wurden nicht „nur“ Millionen von Menschen, sondern die ganze Menschlichkeit begraben.
Unschuldige Menschen, die aufgrund ihrer Herkunft starben,
das sind Narben, die niemals heilen…

 

Dass auch Täter mal leiden, rechtfertigt nicht das verursachte Leid,
denn viele waren zum Ermorden um des Erfolges willens bereit.
Nach vielen Jahren erscheint es so, als liege die Geschichte weit,
doch es ist vieles zu lernen aus dieser maßlosen Düsterkeit.

 

Die Geschichte, sie darf sich niemals wiederholen,
viele Kinder konnten kein Kind sein, nach dem Überfall auf Polen.
Ihr Leben endete durch Schläge, durch Vergasung und Pistolen,
denn irgendwelche Befehlshaber haben Gräueltaten befohlen.

 

Soldaten, mit ihren blutigen Sohlen,
haben vielen Kindern ihre Kindheit gestohlen.
Ihre ideologischen Parolen,
mit ihren rassistischen Symbolen,
sind uns eine Lehre, die Geschichte niemals zu wiederholen.

 

Denn viele Kinder wie Aaron, wollten ein Kind sein,
doch nun stehen all diese Namen noch nicht mal auf einem Grabstein.

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